Johannes Kepler


( 1571 - 1630 )


Johannes Kepler, auch das Siebenmonatskind genannt, wurde am 27. Dezember 1571 in einer kleinen, fensterlosen Kammer in einem bescheidenen Fachwerkhaus in der kleinen Reichsstadt Weil als Sohn von Katharina (1547-1622) und Heinrich Kepler (1547-1590) geboren; die beiden hatten insgesamt acht Kinder. Weil liegt am Nordrand des Schwarzwaldes, ca. 20 km westlich von Stuttgart, nahe Leonberg.

Das Haus, in dem Johannes geboren wurde, war das Haus seiner Großeltern, das am letzten Tag des 30-jährigen Krieges von den Franzosen niedergebrannt wurde. Später wurde es anhand von alten Bauplänen wieder aufgebaut. Seit 1940 befindet sich darin das Keplermuseum.
Da Johannes´ Mutter ihre Schwiegereltern nicht ausstehen konnte, war sie ständig damit beschäftigt, ihnen aus dem Weg zu gehen. Dies führte soweit, dass sie und Heinrich nach Holland zogen. Heinrich ließ sich dort für die Niederlande anwerben, um in den militärischen Dienst des Herzogs von Alba zu treten.

Johannes blieb zurück in Weil. Er war von diesem Zeitpunkt an auf seine Großeltern angewiesen. Sie halfen fraglos mit, in den ersten beiden so entscheidenden Lebensjahren das schmächtige Kind einer halbwegs vernünftigen Entwicklung zuzuführen. Sie konnten es jedoch nicht verhindern, dass Johannes in seinem vierten Lebensjahr beinahe den Pocken zum Opfer fiel. Der künftige Astronom überstand zwar das Schlimmste, ein Augenschaden blieb jedoch aus seiner Kindheit zurück. Helle Gegenstände erschienen ihm mit mehreren Umrissen. 1575, als Johannes vier Jahre alt war, kamen seine Eltern aus Holland zurück. Die ganze Familie zog dann nach Leonberg. Der Vater hielt es dort aber kein ganzes Jahr aus und ging 1576 wieder zurück nach Holland. In den Niederlanden zerfleischte er sich sein Gesicht durch eine von ihm entzündete Bombe. Er kam wieder zurück nach Leonberg. Durch eine unvorsichtige Bürgschaft verlor die Familie Kepler ihren Grundbesitz. Sie pachtete im Jahre 1579 das Wirtshaus "Zur Sonne" in Ellmendingen bei Pforzheim.

Johannes Kepler interessierte sich schon in seinem 6. Lebensjahr für Kometen. 1577 stand in Nürnberg ein besonders "greulicher" Komet am Himmel. Das war sein erstes großes Himmelsereignis, obwohl er wegen seines Augenschadens davon so gut wie nichts erkennen konnte. 1591 war Johannes Kepler Magister (Hochschullehrer) in Tübingen. Sein Erstlingswerk von 1596, "Mysterium cosmographicum" enthält das Grundprinzip des Kopernikanischen Weltbildes, wonach die Sonne den Mittelpunkt bildet und die Planeten, einschließlich der Erde in Kreisbahnen mit zusätzlichen Hilfskreisen die Sonne umrunden.  

Das Selbsthoroskop

Kepler erstellte viele Horoskope zu Studienzwecken. Im Alter von 26 Jahren analysierte und beschrieb er sich so:

Dieser Mensch hat in jeder Hinsicht Hundenatur. Er ist wie ein verwöhntes, gezähmtes Hündchen.

1.) Der Körper ist beweglich, dürr und wohlproportioniert. Er freut sich, an Knochen und harten Brotkrusten zu nagen, er ist gefräßig [...]. Er ist sogar mit dem geringsten zufrieden.

2.) Auch der Charakter ist sehr ähnlich. Zunächst schmeichelt er sich ständig bei den Vorgesetzen ein, er hängt in allem von anderen ab, er dient ihnen, er zürnt ihnen nicht, wenn er getadelt wird, er versucht auf jede Weise sich auszusöhnen. [...] Er ist ungeduldig im Gespräch und grüßt die, die häufig ins Haus kommen, nicht anders als ein Hund. Sobald ihm jemand das Geringste entreißt, knurrt er, wird heiß, wie ein Hund. [...]


Von 1593 bis 1600 war er Lehrer für Mathematik und Moral an der Stiftsschule in Graz. Wegen der Ausweisung der Protestanten mußte er Graz verlassen. 1600 war er Gehilfe von Tycho Brahe in Prag, nach dessen Tod (1601) wurde er sein Nachfolger als kaiserlicher Mathematiker. Das Werk "Astronomie optischer Teile" vom Jahre 1604 ist eine Untersuchung über die Natur des Lichts und der Farbe. Kepler ist hier dem Lichtbrechungsgesetz dicht auf der Spur. Über die Theorie des Sehvorgangs beschreibt Kepler die Umkehrung des ins Auge fallenden Bildes. Außerdem begründet Kepler die Wirkung der Brillengläser für Kurz- und Weitsichtige.1609 fand er aufgrund der Beobachtungsergebnisse Tycho Brahes in Prag die ersten beiden, nach ihm benannten Gesetze (die "Keplerschen Gesetze").
Er erfand im Jahre 1611 ein Fernrohr, welches das von Galilei durch größere Lichtstärke und ein größeres Gesichtsfeld übertrifft. Kepler erklärte das Brechungsvermögen von geschliffenen Linsen erstmals zutreffend und schuf die Grundlagen für die moderne Optik. Deswegen und wegen ähnlicher Werke wird Kepler als "Vater der modernen Optik" bezeichnet. 
1612 lehrte er am Gymnasium zu Linz. 1615 erfand Kepler die Formeln für das Volumenberechnen. Über dieses Thema schrieb Kepler ein Buch mit dem Namen "Nova stereometria doliorum vinariorum" (Neue Inhaltsberechnung der Weinfässer). "Epitome Astronomiae Copernicanae" von 1618 ist der Titel eines 400 Seiten starken Bandes. Er entstand während des Prozesses gegen seine Mutter, die als Hexe angeklagt wurde. Kepler überwindet hier endgültig die Fehler und Ungenauigkeiten des Kopernikanischen Systems. 1619 teilte er in der "Harmonice mundi" den Bau des Weltalls und das dritte Keplersche Gesetz mit.

Die Rudolphinischen Tafeln von 1627, genannt nach seinem verstorbenen "Dienstherrn" Rudolph II, die bis zum 18. Jahrhundert die Grundlagen aller astronomischen Berechnungen waren, waren sein letztes großes Werk. Sie enthalten Angaben für Sonnen- und Mondstellungen, aus denen auch die Sonnen und Mondfinsternisse abzulesen waren. Auch für die Seefahrer waren die Tafeln eine vorzügliche Orientierung, weil in ihnen das geographische Gradnetz eingeordnet war. Diese Tafeln veröffentlichte er in Ulm. 
1628 war er bei Wallenstein in Sagan. 1630 unternimmt er seine letzten Reisen von Sagan nach Regensburg über insgesamt 600 Kilometer. Auf seiner Reise von Sagan nach Regensburg machte er Station in Nürnberg. Dort hoffte er, die Ergänzung der "Rudolphinischen Tafeln" von Johann Beck und Wilhelm Schickart, fertig vorzufinden. Sie wären wegen des Gradnetzes für die Seefahrt äußerst wertvoll gewesen. Er wollte sie dem Kaiser überreichen. Doch seine Hoffnung, die Karten mitnehmen zu können erfüllten sich nicht. Sie waren noch nicht fertig. Er stieg wieder auf sein Pferd, um den letzten Ritt über 100 Kilometer nach Regensburg anzutreten. Als er dort eintraf war er ungefähr vier Wochen bei herbstlich trübem und nassem Wetter unterwegs. Die Gesamtstrecke betrug rund 600 Kilometer. Mehrmals hatte er das Pferd wechseln müssen. Der letzte Gaul war von den Strapazen derart mitgenommen, dass er fast unter ihm zusammenbrach. 

In Regensburg angekommen, lebte Johannes Kepler keine halbe Woche mehr. Er starb am 15. November 1630 an Fieber und Feuerpusteln. Das feierliche Begräbnis des berühmten Mathematikers und Astronomen fand wahrscheinlich drei Tage nach seinem Tod statt. Der 18. November fiel nicht nur auf den Tag vor eine Mondfinsternis; wie berichtet wird, fielen am Abend des Begräbnistages bei aufklarendem Himmel "feurige Kugeln" vom Firmament. Man habe sie nicht nur über Regensburg, sondern auch an anderen Orten gesehen. Man sagt, diese Kugeln seien ein "himmlisches Abschiedsfeuer mit feurigen Tränen" gewesen.

Die Inschrift seines Grabes hat Kepler selbst gewählt.
Sie lautet:

Habe die Himmel erforscht,
jetzt irdische Schatten erforsch' ich;
Himmelsgeschenk war der Geist,
schattenhaft liegt nun der Leib.



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